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Praktizieren von Medizin im hohen Norden Kanadas

von NFI Redaktion

Im Jahr 2019 hatten wir das Privileg, ein Interview mit Dr. Andrea Prince zu führen, die damals ihr Praktikum im Inuit-Dorf Puvirnituq absolvierte. Fünf Jahre später sind wir gespannt, wie sich ihre Perspektive als Vollzeit-Allgemeinmedizinerin in dieser abgelegenen Region im hohen Norden Kanadas entwickelt hat. Hat die Herausforderung der medizinischen Praxis in der Inuit-Gemeinschaft ihre Berufung beeinflusst? Und würde sie jungen Ärzten empfehlen, ähnliche Erfahrungen zu sammeln?

Medscape: Andrea, könnten Sie uns etwas über Ihre aktuelle Position erzählen?

Andrea Prince: Ich arbeite immer noch Vollzeit als Allgemeinmedizinerin im Puvirnituq Hospital. Meine Rolle umfasst die Betreuung stationärer Patienten, die Behandlung von chronisch Kranken in Ambulanzen und die Versorgung von Notfällen sowohl tagsüber als auch nachts. Außerdem reise ich regelmäßig zu benachbarten Apotheken, insbesondere in das Dorf Akulivik. Es ist eine sehr vielseitige Praxis.

In letzter Zeit war ich auch an Projekten zur medizinischen Fortbildung beteiligt, die in Zusammenarbeit mit Spezialisten in Montreal durchgeführt wurden. Wir versuchen verstärkt, mit Ärzten aus anderen indigenen Gemeinschaften zusammenzuarbeiten, da unsere Praktiken ähnlich sind.

Medscape: Wie sieht das Patientenvolumen in Ihrer Klinik aus?

Andrea Prince: Wir sehen täglich etwa 20 bis 30 Patienten in der Klinik, zusätzlich zu denen, die Termine vereinbart haben, Anrufen aus Apotheken und Patienten, die aus anderen Dörfern verlegt werden. Im Puvirnituq-Krankenhaus arbeiten tagsüber vier Ärzte (einer nachts) und etwa 15 Krankenschwestern in Vollzeit. Die Zusammenarbeit mit dem Pflegeteam spielt dabei eine entscheidende Rolle, da sie bestimmte Aufgaben übernehmen können, die normalerweise einem Arzt vorbehalten wären.

Medscape: Wie hat sich die Situation in Bezug auf den Zugang zur Gesundheitsversorgung in den letzten 5 Jahren entwickelt?

Andrea Prince: Vor einem Jahr haben wir im Krankenhaus eine Starlink-Internetverbindung eingerichtet, die den telemedizinischen Austausch mit Spezialisten erleichtert. Diese Verbesserung hat es uns ermöglicht, Daten und medizinische Bilder einfacher nach Montreal zu senden, um Fachwissen einzuholen. Die Herausforderungen bleiben jedoch zahlreich und die Fortschritte sind langsam. Der Personalmangel bleibt eines der größten Probleme, insbesondere im Pflegebereich.

Medscape: Welche sind die dringendsten logistischen Anforderungen, die noch erfüllt werden müssen?

Andrea Prince: Im Hohen Norden fehlt es immer noch an einem Scanner, was insbesondere bei Unfällen und Traumata, die häufig vorkommen, einen erheblichen Einfluss auf die Sterblichkeitsrate hat. Auch in Bezug auf die Krebsdiagnose fehlt es an wichtiger Ausrüstung wie einem Mammographiegerät. Dringende Operationen erfordern oft eine medizinische Evakuierung nach Montreal. Es besteht ein klarer Bedarf an verbesserten Ressourcen und Infrastruktur.

Das Interview geht weiter mit Fragen zum Thema Prävention, Frauengesundheit und persönlichen Erfahrungen in der medizinischen Praxis im hohen Norden. Andrea Prince ermutigt Kollegen, ähnliche Erfahrungen zu sammeln, betont jedoch die Herausforderungen und die einzigartige Art der medizinischen Praxis in dieser Region.

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