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Neue Kriterien identifizieren Sepsis bei Kindern mit Infektion

von NFI Redaktion

Neue Richtlinien für pädiatrische Sepsis basieren auf einem innovativen Score, der die Mortalität bei Kindern mit vermuteter oder bestätigter Infektion vorhersagt. Diese neuen Kriterien schneiden besser ab als bestehende Scores und Kriterien für Organdysfunktionen und haben das Potenzial, die klinische Versorgung weltweit zu verbessern, so Forscher.

Die bisherigen pädiatrischen Sepsis-Kriterien stammen aus dem Jahr 2005 und wurden auf der Grundlage von Expertenmeinungen veröffentlicht. Sepsis wurde 2016 für Erwachsene neu definiert. Die paradigmenwechselnden Veränderungen wurden jedoch nicht auf Kinder übertragen, was den Grundstein für die neue Initiative legte.

Die neuen Kriterien sowie deren Entwicklung und Validierung wurden in der Fachzeitschrift JAMA und auf dem Critical Care Congress 2024 der Society of Critical Care Medicine in Phoenix, Arizona, vorgestellt.

Internationaler Konsens

„Die neuen Kriterien basieren auf Daten aus elektronischen Gesundheitsakten und der Analyse von mehr als 3 Millionen pädiatrischen Behandlungen in 10 Krankenhäusern auf der ganzen Welt, auch in ressourcenarmen Umgebungen“, sagt L. Nelson Sanchez-Pinto, MD, MBI, ein Intensivmediziner am Ann and Robert H. Lurie Children’s Hospital of Chicago. Dr. Sanchez-Pinto war Co-Leiter der internationalen Experten-Task Force, die von der Society of Critical Care Medicine (SCCM) einberufen wurde, um die Kriterien zu entwickeln und zu validieren.

Basierend auf den Erkenntnissen schlägt die Task Force vor, pädiatrische Sepsis durch einen Phoenix-Sepsis-Score von mindestens 2 Punkten bei Kindern mit Verdacht auf eine Infektion zu definieren. Als septischer Schock gilt eine Sepsis mit mindestens einem kardiovaskulären Punkt im Score.

Unterschiede zwischen den Einstellungen

Um die neuen Kriterien in unterschiedlich ausgestatteten Umgebungen abzuleiten und zu validieren, wurden eine multizentrische, internationale, retrospektive Kohortenstudie mit zehn Gesundheitssystemen durchgeführt. Es wurden Daten aus pädiatrischen Notfall- und stationären Begegnungen von 2010 bis 2019 gesammelt.

Das endgültige Modell wurde in den ganzzahlbasierten Phoenix Sepsis Score übersetzt und zur Festlegung binärer Kriterien für Sepsis und septischen Schock verwendet.

Kinder mit einem Phoenix-Sepsis-Score von mindestens 2 Punkten hatten eine Krankenhaussterblichkeit von 7,1 % in ressourcenintensiveren Umgebungen und 28,5 % in ressourcenärmeren Umgebungen. Die Sterblichkeit war auch bei Kindern höher, die eine Organfunktionsstörung in mindestens einem von vier Organsystemen aufwiesen – Atmung, Herz-Kreislauf, Gerinnung und/oder neurologische.

Ein besseres Ergebnis

Angesichts der Ergebnisse empfiehlt die Task Force, dass die bisherigen Kriterien nicht zur Diagnose einer Sepsis bei Kindern verwendet werden sollten. Der frühere Begriff „schwere Sepsis“ sollte ebenfalls nicht mehr verwendet werden.

Die Task Force weist darauf hin, dass, obwohl die vier Organe im Phoenix Sepsis Score am häufigsten an Sepsis beteiligt sind, die Beurteilung und Behandlung anderer Organdysfunktionen wichtig sind.

Weitere Überlegungen

In entsprechenden Leitartikeln wiesen Kommentatoren auf einige Vorbehalte und Bedenken hinsichtlich des Studiendesigns und der neuen Kriterien hin.

Roberto Jabornisky, MD, PhD, von der National University of the Northeast, und Kollegen wiesen darauf hin, dass zusätzliche prospektive Validierung in Umgebungen mit unterschiedlichen Ressourcen notwendig ist. Dr. Carlton und Kollegen fügen hinzu, dass Verbesserungen in der Versorgung nicht nur an verbesserten Ergebnissen bei Patienten mit Sepsis gemessen werden sollten, sondern auch an einem verringerten Fortschreiten der Sepsis bei Patienten mit Infektionen.

Das International Consensus Criteria-Papier wurde von der Society of Critical Care Medicine und einem Zuschuss des Eunice Kennedy Shriver National Institute of Child Health and Human Development an Tellen C. Bennett, MD, MS, und Nelson Sanchez-Pinto, MD, unterstützt. Die Daten für den Standort Kenia wurden mit Unterstützung des Wellcome Trust to the Kenya Major Overseas Programme gesammelt. Dr. Jabornisky meldete keine Interessenkonflikte. Dr. Carlton berichtete, er sei Mitglied des Richtlinienausschusses der Kampagne „Pädiatrische Überlebende Sepsis“ gewesen und habe Zuschüsse vom NIH erhalten.

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