Home Medizin Ein Screening auf psychische Gesundheit kann Jugendlichen mit Fettleibigkeit zugute kommen

Ein Screening auf psychische Gesundheit kann Jugendlichen mit Fettleibigkeit zugute kommen

von NFI Redaktion

OBERSTEN ZEILE:

Psychische Komorbiditäten sind bei übergewichtigen oder fettleibigen Jugendlichen weit verbreitet, wobei männliches Geschlecht, höheres Alter und extreme Fettleibigkeit die stärksten Risikofaktoren sind.

METHODIK:

  • Die Forscher verglichen klinische Merkmale und Ergebnisse bei Kindern, Jugendlichen und jungen Erwachsenen mit Übergewicht oder Adipositas mit oder ohne komorbider psychischer Störung, die an einem Lebensstilinterventionsprogramm teilnahmen.
  • Insgesamt wurden Daten von 114.248 Personen (Alter 6-30 Jahre; 53 % weiblich) aus 226 am Adipositas-Patientenregister beteiligten Zentren in Deutschland und Österreich ausgewertet.
  • Personen wurden ausgeschlossen, wenn sie sich einer bariatrischen Operation unterzogen oder gewichtsverändernde Medikamente (Metformin, Orlistat oder Glucagon-ähnliche Peptid-1-Analoga) einnahmen.
  • Der Body-Mass-Index (BMI) wurde als Standardabweichungswert (SDS) aus einer deutschen Jugendbevölkerungsreferenz berechnet und zur Definition von Übergewicht (90. bis < 97. Perzentil), Fettleibigkeit (97. Perzentil) und schwerer Fettleibigkeit (≥ 99,5. Perzentil) verwendet, die im Alter von 18 Jahren den Grenzwerten für Übergewicht und Fettleibigkeit bei Erwachsenen entsprechen (25 kg/m² und 30 kg/m² jeweils).
  • Die Regressionsanalyse identifizierte die Faktoren, die mit psychischen Störungen bei übergewichtigen oder fettleibigen Menschen verbunden sind.

WEGBRINGEN:

  • Bei 3969 Personen wurde über eine komorbide psychische Störung berichtet, wobei Aufmerksamkeitsdefizitstörung (ADHS, 42,5 %), Angstzustände (31,3 %), Depressionen (24,3 %) und Essstörungen (12,9 %) am häufigsten auftraten.
  • Die Faktoren, die am stärksten mit der psychischen Komorbidität assoziiert waren, waren das männliche Geschlecht (Odds Ratio) (OR: 1,39; 95 %-KI: 1,27–1,52), höheres Alter (OR: 1,42; 95 %-KI: 1,25–1,62) und schwere Fettleibigkeit (OR: 1,45; 95 %-KI: 1,30–1,63).
  • Der mittlere BMI-SDS war bei Personen mit Depressionen und Essstörungen höher und bei Personen mit ADHS niedriger (beide, P < .001) als bei Personen ohne psychische Störungen.
  • Personen mit und ohne psychische Störungen profitierten von ähnlichen BMI-Änderungen durch Lebensstilinterventionsprogramme.

IN DER PRAXIS:

Die Autoren schrieben: „Gesundheitsfachkräfte, die Jugendliche mit Übergewicht oder Adipositas betreuen, sollten sich komorbider psychischer Störungen bewusst sein und regelmäßige Untersuchungen zur psychischen Gesundheit in Betracht ziehen.“

QUELLE:

Diese von Angela Galler von der Charité – Universitätsmedizin Berlin, Deutschland, geleitete Studie wurde am 9. Januar 2024 online im veröffentlicht Internationale Zeitschrift für Fettleibigkeit.

EINSCHRÄNKUNGEN:

Die Ergebnisse der Studie basieren auf Daten einer Gruppe von Kindern, Jugendlichen und jungen Erwachsenen mit Übergewicht oder Adipositas, die in spezialisierten Adipositaszentren behandelt werden, und sind möglicherweise nicht auf alle Jugendlichen mit Adipositas übertragbar. Darüber hinaus konnte die Studie keine Schlussfolgerungen hinsichtlich der Ursache oder Wirkung zwischen Fettleibigkeit und psychischen Störungen ziehen. Personen wurden nicht psychologisch auf psychische Störungen getestet und möglicherweise nicht ausreichend erfasst.

OFFENLEGUNG:

Das Manuskript ist Teil des Projekts Stratification of Obesity Phenotypes to Optimize Future Obesity Therapy, das vom Joint Undertaking Innovative Medicines Initiative 2 finanziert wurde. Die Autoren gaben an, dass keine Interessenkonflikte bestehen.

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