Home Medizin Durchfall in der Krebstherapie – Teil 1: Chemotherapeutika

Durchfall in der Krebstherapie – Teil 1: Chemotherapeutika

von NFI Redaktion

Chemotherapie-induzierter Durchfall bei Krebspatienten kann extrem belastend sein. In einem aktuellen Artikel erläutern Onkologe Dr. Marcus Hentrich und Gastroenterologe Dr. Volker Penndorf vom Rotkreuzklinikum in München die Behandlungsmöglichkeiten für betroffene Patienten.

Die Autoren erklären, dass klassische Zytostatika durch direkte Schädigung der Darmschleimhaut Durchfall verursachen können. Die genauen Mechanismen bei monoklonalen Antikörpern und zielgerichteten oralen Medikamenten sind noch nicht vollständig erforscht. Das Risiko einer toxischen Schädigung der Darmschleimhaut steigt laut den Autoren mit der Schwere und Dauer der Neutropenie. Bei Patienten mit Neutropenie entwickeln bis zu zwei Drittel Durchfall, wobei eine infektiöse Ursache selten festgestellt wird.

Ein besonderer Fall ist das Zytostatikum Irinotecan, das innerhalb von 24 Stunden zu einem akuten cholinergen Syndrom mit wässrigem Durchfall, Bauchkrämpfen, Erbrechen, Schwitzen und Bradykardie führen kann. Darüber hinaus kann es zu später auftretendem Durchfall kommen, der etwa 3 Tage nach der Verabreichung auftritt.

Risikofaktoren für toxische Enteritis mit Durchfall sind unter anderem fortgeschrittenes Alter, schlechter Gesundheitszustand, gleichzeitige Strahlentherapie und Vorerkrankungen im Darm.

Es gibt keine etablierte medikamentöse Prophylaxe gegen Chemotherapie-induzierten Durchfall, außer Atropin zur Vorbeugung und Behandlung des Irinotecan-induzierten cholinergen Syndroms.

Diagnostische Verfahren werden in der deutschen Leitlinie zur unterstützenden Therapie bei Krebspatienten empfohlen. Bei Durchfall mit Fieber sind Blutkulturen zwingend erforderlich. Ein großes Blutbild kann Aufschluss über verschiedene Parameter geben, wie Entzündungsreaktionen, Infektionsrisiken und Blutungsneigung.

Um Elektrolyt- und Flüssigkeitsverluste zu beurteilen, sollten verschiedene Parameter gemessen werden. Endoskopische Untersuchungen werden nur bei anhaltenden Beschwerden empfohlen, und bei Verdacht auf neutropenische Enterokolitis ist eine Koloskopie aufgrund des Risikos einer Perforation kontraindiziert.

Die Therapie bei Chemotherapie-induziertem Durchfall erfolgt stufenweise je nach Schweregrad. Zur Behandlung der Klassen 1-2 wird üblicherweise Loperamid eingesetzt. Bei Grad 3-Durchfall kann Octreotid verabreicht werden. Bei Loperamid-refraktärem Durchfall können weitere Therapien wie Codein, Opiumtinktur, Budesonid und Racecadotril in Betracht gezogen werden.

Probiotika werden aufgrund fehlender Evidenz nicht generell empfohlen. Schwere Komplikationen wie neutropenische Enterokolitis erfordern spezielle Behandlungsmethoden, die auf die individuellen Bedürfnisse der Patienten zugeschnitten sind.

Diese Informationen wurden aus Univadis Deutschland übersetzt und von Experten geprüft, bevor sie veröffentlicht wurden.

Related Posts

Adblock Detected

Please support us by disabling your AdBlocker extension from your browsers for our website.