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Naturfreunde im Gespräch: Marie-Bernard LEFEBVRE-DUMONT Präsidentin der Naturfreunde Frankreich
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Marie-Bernard LEFEBVRE-DUMONT wurde am 31. März 2018 als Präsidentin der Naturfreunde Frankreich wiedergewählt. Im Gespräch erzählt sie von ihrer persönlichen Motivation für ihr langjähriges Engagement und von ihren Visionen für die Entwicklung der Naturfreunde-Bewegung.

 

Du bist seit vielen Jahren mit großem Engagement für die Naturfreunde aktiv – sowohl auf nationaler als auch auf internationaler Ebene. Woher kommt die Motivation für Dein großes Engagement?

So wie viele französische Naturfreundinnen und Naturfreunde habe ich mich der Bewegung (vor etwas mehr als 30 Jahren) angeschlossen, nachdem ich zuvor bei den Jugendherbergen engagiert war. Ich hatte damals ein Kind bekommen, und die Arbeit in „meiner“ ersten Ortsgruppe war mit meinen neuen Lebensumständen besser vereinbar. Obwohl mir das Ortsgruppenleben und der Austausch mit NaturfreundInnen mit unterschiedlichem Background und aus verschiedenen Ländern sehr entsprach, habe ich mich erst nach mehr als zehn Jahren durch die Übernahme einer Funktion für die Bewegung engagiert. Ich finde hier alles, was meiner Meinung nach dem Leben Sinn verleiht: Austausch, Freundschaft, gemeinsames Erleben, Auseinandersetzung mit verschiedenen Lebenswelten und anderen Kulturen, Toleranz und Solidarität. Sicher ist all dies nicht immer selbstverständlich gegeben, aber das Beispiel unserer VorgängerInnen sowie die Bedürfnisse der gegenwärtigen Gesellschaft im allgemeinen und der Jugend im Besonderen, ermutigen mich weiterzumachen. 



Was sind deine Prioritäten für die Arbeit der Naturfreunde Frankreich in den nächsten Jahren?

 

Der 33. Kongress unseres Verbandes hat klar gezeigt, in welche Richtung wir gehen müssen. Es geht um:
-    Förderung der Jugendgruppe, die sich anlässlich des Kongresses konstituiert hat, und aus der ein Jugendvertreter in unseren neuen Vorstand gewählt wurde – mit dem Ziel der Bereicherung und Dynamisierung der Bewegung unter Berücksichtigung der aktuellen Lebensrealitäten und der von den „Älteren“ geleisteten Arbeit.


-    Verbesserung der Kommunikation: Ein erster Schritt besteht darin, dass wir nun „Amis de la Nature France / Naturfreunde Frankreich“ heißen. Es ist tatsächlich so, dass wir trotz unserer fast 8.000 Mitglieder nicht ausreichend bekannt sind, ausgenommen vielleicht im Elsass. Dennoch haben die 100 Ortsgruppen, die unter unserem Dach zusammengefasst sind, eine unleugbare gesellschaftliche und soziale Rolle zu spielen, sei es auf Grund der Vielfalt an Freizeitangeboten und/oder der Aktivitäten in den Bereichen Natur und Umwelt. Dabei darf nicht vergessen werden – und gerade das unterscheidet uns von anderen – dass wir auf ehrenamtlicher Basis Häuser und Campingplätze (60 in Frankreich) betreiben, die zu günstigen Konditionen genutzt werden können. Wir müssen auch die interne Kommunikation verbessern, denn obwohl wir über immer schlagkräftigere Informationsinstrumente verfügen, kennen der Verband und die Mitglieder einander nicht ausreichend; daraus ergeben sich Probleme, wenn es darum geht, die jeweiligen Erfahrungen zu teilen und den Werten, die wir gemeinsam haben, Öffentlichkeit zu verschaffen.


-    Entwicklung von Partnerschaften mit anderen Vereinigungen, die ähnliche Werte vertreten, um bei politischen Entscheidungen in den Bereichen Tourismus, Veranstaltung von Aktionen oder Umwelt mehr Gewicht zu haben, und um den Mitgliedern erweiterte Möglichkeiten für Urlaub und Freizeit zu bieten (zum Beispiel der Abschluss von Abkommen mit befreundeten Häusern).

-    Organisation der Führungsstrukturen im Verband, Vernetzung im Hinblick auf demokratischere Entscheidungsprozesse, Ausbildungsangebote für die Übernahme von Verantwortung an jene, die das möchten, um so zu einer Erneuerung bei den Funktionären beizutragen.

 

 

Die Naturfreunde Frankreich haben die Entwicklung der Naturfreunde in Afrika maßgeblich unterstützt. Du selbst bist Mitglied der Steuerungsgruppe für den Naturfreunde Klimafonds, aus dessen Mitteln Klimaschutzprojekte der Naturfreunde in Afrika finanziert werden. Gleichzeitig kämpfen viele europäische Naturfreunde Organisationen mit finanziellen Problemen. Provokativ gefragt: Wäre es nicht besser, in die europäischen Verbände zu investieren als Organisationen in Ländern des globalen Südens zu unterstützen?

 

Nein, ich denke nicht, dass man so argumentieren und den Süden gegen den Norden ausspielen soll. Sicher haben einige europäische Verbände Probleme, denen muss man helfen – Frankreich hat das in der Vergangenheit auch getan. Das darf aber nicht zu Lasten der Länder des globalen Südens gehen. Im Übrigen meine ich, dass die Probleme der Naturfreunde in Europa nicht zu vergleichen sind mit jenen der afrikanischen Länder. In Europa handelt es sich um politische Probleme (z.B. in Ungarn) – dabei ist es die Rolle der NFI, mit Unterstützung der Landesorganisationen auf europäischer Ebene die Stimme zu erheben. Oder es sind Probleme der Organisationsentwicklung, die alle Verbände betreffen. Hier geht es darum, durch gemeinsame Reflexion im Rahmen der NFI die Zielsetzungen der Bewegung mit den aktuellen gesellschaftlichen Anforderungen in Einklang zu bringen, um so der Bewegung wieder Sinn zu geben und nicht in der Bedeutungslosigkeit zu enden. Handelt es sich um finanzielle Probleme, könnte man vielleicht die Einrichtung eines spezifischen Solidariatätsfonds ins Auge fassen, der zum Beispiel mit EU-Geldern oder aus gemeinschaftlichen Quellen etc. finanziert würde.
Der Klimafonds der Naturfreunde ist einzig und allein für afrikanische Länder gedacht, deren Armuts- und Entwicklungsprobleme durch die Beschleunigung des Klimawandels und durch die Nord-Süd-Handelsbeziehungen verschärft werden. Alle von den afrikanischen Naturfreunden für den Fonds eingereichten Vorschläge betreffen lokale Entwicklungsprojekte, die darauf abzielen, die Lebensbedingungen zu verbessern und die Bevölkerung zu unterstützen, ein Leben in Würde zu führen. Die Projekte werden von europäischen Naturfreunden finanziert, die so die schädlichen Folgen kompensieren, die ihre Reisetätigkeit für das Klima hat. Hier geht es um Klimagerechtigkeit.
 


Die Naturfreunde-Bewegung wird 2020 ihr 125-jähriges Jubiläum begehen. Was braucht es, um auch in Zukunft erfolgreich zu bleiben?

 

Wir müssen uns ständig fragen, ob in unserem Umfeld unsere Werte Gehör finden beziehungsweise welche Schritte wir unternehmen müssen, damit dies der Fall ist. Wir müssen uns unter unseren Verbänden verstärkt austauschen, eine gemeinsame Botschaft vertreten und mehr Öffentlichkeit erlangen. Und wir müssen auch die Jugend anhören und ihr den ihr gebührenden Platz einräumen.
 
 
(April 2018)

 

  

 
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