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Naturfreunde im Gespräch: Leonardo Baroncelli | Vize-Präsident der Naturfreunde Internationale
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Der Italiener Leonardo Baroncelli wurde beim Kongress der NFI am 21. Oktober 2017 zum Vize-Präsidenten der NFI gewählt. Bei den Naturfreunden Italien beschäftigt er sich mit internationalen Themen sowie dem Umweltschutz. In unserem Gespräch spricht Leonardo über seine Beweggründe, sich für die Naturfreunde-Bewegung einzusetzen und über seine Ideen für die Zukunft der Organisation. 

 

Was war deine persönliche Motivation, dich als Vize-Präsident der internationalen Naturfreunde-Bewegung zu engagieren?

Schon in meiner Jugend war ich beim “International Civil Service”, einer UN-Hilfsorganisation, die Freiwillige weltweit entsendet. In dieser Eigenschaft nahm ich an Hilfsaktionen teil, wie etwa bei der Überschwemmung in Florenz 1966 und dem Erdbeben in Westsizilien 1966 – Seite an Seite mit Tausenden von Freiwilligen, die aus vielen Ländern kamen, um zu helfen. Hier habe ich große internationale Solidarität erfahren und das hat mein berufliches und privates Leben geprägt. Nach dem Rückzug aus der italienischen Diplomatie und 40 Jahren Dienst auf vier Kontinenten wollte ich mich wieder gemeinnützigen Tätigkeiten widmen, insbesondere dem Schutz der Natur und autochtoner Kulturen, die aktuell auf nicht nachhaltige und unfaire Weise ausgebeutet werden.



Die Naturfreunde Italien sind international sehr aktiv, z.B. unterstützen sie die Gründung einer Naturfreunde-Gruppe in Bosnien. Wie wichtig ist Internationalität für dich – insbesondere in Zusammenhang mit der Naturfreunde-Bewegung?

 

Heute ist sie wichtiger denn je, insbesondere weil wir konfrontiert sind mit dem Aufkeimen des Populismus, der Bedrohung durch den Terrorismus und der Krise des Multilateralismus. Selbst die Grundfesten der europäischen Integration wurden in den letzten Jahren infrage gestellt. In diesem unsicheren Umfeld müssen wir unsere Kräfte darauf konzentrieren, die Werte der Naturfreunde-Bewegung in den Mittelpunkt zu stellen - insbesondere die Internationalität, die Demokratie, die Klimagerechtigkeit und die weltweite Allianz für das Überlebens unseres Planeten und der Menschheit.

 

Neben dem Amt des Vize-Präsidenten bist du auch Mitglied der Steuerungsgruppe des Naturfreunde Klimafonds. Der Klimafonds will mehr Klimagerechtigkeit schaffen, indem konkrete Projekte der Naturfreunde Afrikas unterstützt werden. Dennoch sehen viele die Naturfreunde nur als Freizeit- und Wanderorganisation. Wenn dich jemand fragt, warum sich die Naturfreunde für Klimagerechtigkeit einsetzen, was würdest du antworten?

 

Klimagerechtigkeit muss Priorität haben, um die Folgen des Klimawandels in den Ländern des Südens, die ja nicht die Hauptproduzenten von CO2 sind, zu mindern. Ohne Klimagerechtigkeit sind die Risiken für soziale Ungleichheiten, bewaffnete Konflikte und Massenvertreibungen sehr hoch. Daher ist es besser, Maßnahmen zur Klimagerechtigkeit und zur sozialen Gerechtigkeit umzusetzen – so können Umweltkatastrophen und menschliche Katastrophen verhindert und unsere Welt zu einem besseren Ort zum Leben gemacht werden.
Dennoch müssen wir auch Freizeitaktivitäten und nachhaltigen Tourismus unterstützen, um ein soziales Umfeld und eine natürliche Umwelt zu fördern und zu unterstützen. Ich persönlich wandere viel und gern.
 


Was sind deiner Meinung nach die größten Herausforderungen für die Naturfreunde-Bewegung in den nächsten Jahren, sowohl in Italien als auch international?

 

Die größten Herausforderungen für die Naturfreunde-Bewegung ist die Überalterung unserer Mitglieder in Italien und auf internationaler Ebene. Dies ist eine Herausforderung auch für gemeinnützige Organisationen und wir müssen neue Wege beschreiten, um mehr junge Mitglieder zu gewinnen.
Zunächst einmal müssen wir das politische Profil der Bewegungen schärfen und stärker für unsere Werte eintreten. Es gibt natürlich Einschränkungen durch Zeit und Geld, aber möglicherweise kann mit weniger mehr erreicht werden. Es ist auch wichtig, aktiver mit gleichgesinnten Verbänden in Mittel- und Osteuropa, Afrika und Asien zusammenzuarbeiten und sie zu ermutigen, sich Gehör zu verschaffen. Schließlich müssen wir aktiver zur Stärkung der Zivilgesellschaft beitragen, indem wir gute Beispiele vor den Vorhang holen, Fähigkeiten zur Förderung der Interessenvertretung vermitteln und unsere Werte auf politischer Ebene in Europa vertreten.
 
(März 2018)

 

  

 
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